
"Nicht Chicago. Nicht hier." von Kirsten Boie ist ein eindrucksvolles Buch, das zum Nachdenken anregt und auf die Gewalt unter Jugendlichen aufmerksam macht.
Es handelt von dem zwölfjährigen Jungen Niklas, der von seinem neuen Mitschüler Karl bestohlen, angefeindet und bedroht wird. Ohne Grund. Einfach so.
Es beginnt damit, dass Karl und Niklas zusammen ein Referat schreiben sollen und am Ende des Nachmittages eine CD von Niklas Schwester verschwunden ist. Beim nächsten Treffen "leiht" sich Karl das CD-Rom-Laufwerk aus dem Rechner v
on Niklas Vater. Er lauert Niklas auf, verletzt ihn körperlich und seelisch und macht ihn zu einem Außenseiter. Niklas versucht, auf sich aufmerksam zu machen, doch anfangs glaubt ihm keiner. Die Erwachsenen nehmen ihn nicht ernst und kommen ihm mit dem Spruch "Hier ist doch nicht Chicago."
Die Geschichte entwickelt sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen, die im Hörbuch von den beiden Sprechern Bernd Stephan und Philipp Baltus abwechselnd gelesen werden. Die eine Ebene erzählt das, was sich in der Gegenwart abspielt: die Familie von Niklas wird von einem anonymen Anrufer belästigt und bedroht und Niklas Kaninchen ist spurlos verschwunden. Die andere Ebene erklärt dem Hörer die zurückliegenden Ereignisse und das, was sich zwischen Niklas und Karl entwickelt hat.
Beim Hören fühlt man Niklas´ Angst und die Bedrohung, die realistisch erzählt wird. Und obwohl Kirsten Boie die Geschichte kurz und ohne Ausschmückungen erzählt, wird man sofort mitgerissen. Das ist sehr angenehm und führt dazu, dass ich das Hörbuch in einem Rutsch durchgehört habe. Die Sprache ist wenig ausgeschmückt und auf das Wesentliche beschränkt. Mich hat das auf den ersten Seiten sehr irritiert. Man muss den Sinn hinter den Worten erst anfangen zu verstehen, die
Zusammenhänge, die Wortwahl. Manchmal ist auch die Gewichtung der Situationen ein wenig verschoben. Für einen ungeübten Leser bzw. Hörer ist das eine Herausforderung. Schwierig ist auch, dass das Buch schon 1999 erschienen ist und es darum, was technische Sachen angeht, nicht mehr ganz aktuell ist. Der Geschichte selber tut das aber keinen Abbruch.
Das Ende von "Nicht Chicago, nicht hier" ist sehr überraschend und zu abrupt.
Die vielen Fragen, die man sich stellt, während man liest, werden nicht
beantwortet. Dennoch meine ich, dass man dadurch noch mehr über das Buch nachdenkt.
Viola von der Eltz
Kirsten Boie: Nicht Chicago. Nicht hier. Goya LiT. 14,95 €, 2 CDs (ca. 105 Min).
von Kirsten Boie | ab 12 Jahren
Niklas, dreizehn, wird von einem Mitschüler schikaniert und sogar zusammengeschlagen. Ein Motiv ist nicht erkennbar. Zeugen gibt es nicht. Niklas ist verzweifelt. Er weiß nicht, wie er sich zur Wehr setzen soll.











